Слова з України

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  • 3. März 2022

    Galina Rymbu

    Liebe Kollegen, DichterInnen aus der russischen Föderation,

    Ich habe zum ersten Mal seit mehreren Tagen meinen Computer angeschaltet und wollte euch sagen, dass eure “dringlichen” Gedichte über den Krieg, die ihr prompt auf euren Facebook-Seiten veröffentlicht, von hier aus irgendwie nicht so toll aussehen… Sie zu lesen ist unangenehm. Wir wollen sie nicht lesen… zumindest noch nicht.

    Und ihre Veröffentlichung  selbst kann heute bloß als narzisstischer Wunsch gelesen werden, sich schnell die verheerende Erfahrung eines anderen anzueignen (gleichzeitig lasse ich durchaus den Gedanken zu, dass ein Moment ehrlicher Empathie, Schmerz, Wut, Verantwortung und Empathie auch diesen Gesten und Texten innewohnt). Doch ich bin überzeugt, dass selbst in einer noch so tragischen, unbequemen und schwierigen Situation, jede Veröffentlichung und jeder Wunsch, unmittelbar öffentlich etwas zu verkünden, reflektiert werden kann: was bedeuten diese Gesten und Texte jetzt für euch? Was sollen sie bewirken, und was könnten sie bewirken, abseits eurer ursprünglichen Impulse, Wünsche und eures Willens?

    (Es handelt sich dabei überwiegend um Texte die direkt oder indirekt “das Leiden der anderen” darstellen, die mentale Zustände oder Erfahrungen beschreiben, Bilder und Prozesse, Taten oder Ereignisse die HIER von Innen erlebt werden.

    Damit beziehe ich mich nicht auf antimilitaristische Widerstand-Texte oder um Texte, die beschreiben wie ihr diesen Krieg von Innen erlebt, ohne vor Ort zu sein.)

    Ihr seid keine Zeugen, von dem was hier passiert. Und ihr könnt auch keine Zeugen sein. Und die, die ein Zeugnis ablegen können, haben gerade nicht wirklich den Luxus Gedichte zu schreiben. Es sei denn, diese Gedichte entstehen – buchstäblich – in ihren Luftschutzbunkern. Bemüht euch um Dekolonisierung: hört einfach auf die Stimmen von hier.

    Und schickt euch nicht an die Auswahl von Übersetzungen ukrainischer Gedichte, die heute auf euren Literatur-Websites zu finden sind, als „Geste der Solidarität und “Unterstützung“ zu bezeichnen. Ich weiß, dass jene von euch, die sich für zeitgenössische ukrainische Lyrik interessieren, sie vor dem 24. Februar 2022 übersetzt und veröffentlicht haben. Aber für die, die es jetzt schnell tun, denkt mal drüber nach: seid ihr sicher, dass es genau die Art Unterstützung ist, die ukrainische Lyriker jetzt brauchen? Oder solltet ihr besser eure Energie und Ressourcen nutzen, um den Kampf auf eine andere Art zu unterstützen?Und zuletzt : ich blicke mit Erstaunen auf einige der aktuellen Praktiken von internationalen Medien, Zeitschriften und Verlagen, die aus welchem Grund auch immer bei russischen Lyrikern ihre “brennenden” Reaktionen auf den Krieg einsammeln. Und verdammt, es gefällt mir nicht. Ich muss fragen: seid ihr sicher, dass es diese Stimmen sind, die mehr als andere jetzt gehört werden sollten? Oder habt ihr einfach nicht die nötigen Ressourcen / Zeit / den Willen für eine “dringende” Einführung in den Kontext der ukrainischen Literatur?

    Quelle: Facebook-Profil der Autorin

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  • 2. März 2022

    Halyna Kruk

    Übersetzung von Julia Grinberg

    Wir alle, Europa, sind zutiefst besorgt,

    so besorgt, manche sogar tot vor Sorge.

    Säubere immer mal Youtube, damit die Brutalität hier nicht 

    deine Bürger verletzt.

    Manche von uns wirst du nie zu Gesicht bekommen, 

    Europa, du hast was im Auge, siehst stur nicht

    ihre ausgeschlagenen Augen und Schusswaffenwunden,

    sie werden dir, Europa, – nichts für ungut – nicht die Hand reichen können,

    (vielleicht nur Prothesen),

    um von deiner jahrhundertealten Kultur berührt zu werden.

    Bewache deine Grenzen, Europa,

    dass auch dich niemand berührt, plötzlich.

    Lausche, für den Fall der Fälle, sind wir es, die noch schreien

    unter Stockschlägen, Kampfstiefeln, Schäften?

    Unsere Kinder werden wütend aufwachsen,

    deinen hysterischen tränenreichen

    Nachrichten über herrenlose Tiere nicht glauben,

    verzeihn Sie, Europa –

    wir alle hier sind Tiere –

    wir werden abgeschossen wie Tollwütige, mit Munition für Wölfe.

    Was hast du, Europa, zu dieser Stunde gemacht? –

    Vermisste und Tote gezählt?

    Hände gewaschen? Gewartet auf Bestätigung? 

    Dich versteckt wie ein Ding-an-sich?

    Frieden für die Welt, Füdüfüdüwü, nur Geld stinkt nicht

    und Opfer

    sind keines Schutzes wert, wenn sie keine Tauben sind.

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